Waltraud Rein und Rolf Übelhör
Erst ein Jahr später, als eine neue urologische Praxis eröffnet wurde, wagten wir einen neuen Anlauf. Diesmal verlief das Gespräch so, wie wir es uns erhofft hatten. Wir wurden ernst genommen und ausführlich beraten. Nach dem Gespräch und einer Untersuchung empfahl uns der Arzt eine Tablette gegen die erektile Dysfunktion. Sie wirkte gut und wir kommen prima damit zurecht.
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Als wir von der Aufklärungsinitiative „Helden der Liebe“ hörten, dachten wir, dass wir mit unserer Erfahrung vielleicht auch etwas dazu beitragen können, anderen Paaren in einer ähnlichen Situation zu helfen. Nachdem, was wir erlebt haben, empfehle ich allen Paaren, bei Rückschlägen nicht gleich aufzugeben. Ein gutes Vertrauensverhältnis zum Arzt halte ich für sehr wichtig.
Rolf Übelhör
Ich lernte Waltraud über einer Annonce kenne. Es war Liebe auf den ersten Blick. Bevor ich sie kennen lernte, war ich längere Zeit ohne Partnerin und hatte auch keine sexuellen Beziehungen. Wann bei mir die Erektionsprobleme los gingen, weiß ich deshalb auch nicht so genau. Jedenfalls war es schrecklich für mich, als ich nicht mit ihr schlafen konnte. Ich fühlte mich als Versager und hatte Angst, sie direkt wieder zu verlieren. Aber sie brachte sehr viel Verständnis für mich auf. Ich fand super, wie sie auf mich zu gegangen ist. Zum ersten Mal konnte ich mit jemandem wirklich offen über intime Probleme reden. Das alles half mir enorm, trotzdem blieb natürlich eine seelische Belastung. Ich war mir sicher, dass die Probleme selbstgemacht waren. Ich war damals eigentlich ein Workaholic – 16 bis 18 Stunden Arbeit am Tag waren keine Seltenheit. Dieser berufliche Stress hat sicherlich zu einem großen Teil zu den Problemen beigetragen. Hinzu kam, dass ich starker Raucher bin und dass ich, auch durch meinen Beruf bedingt, öfter Alkohol getrunken habe als gesund war. Erst heute, wo ich meinen Lebensstil – vor allem durch eine Umschulung – geändert habe, merke ich langsam wieder, was es heißt, Mensch zu sein und Gefühle zu haben und zu zeigen.
Nach etwa zwei Jahren bin ich wegen der Erektionsstörungen das erste Mal zu einem Arzt gegangen. Der hat das Thema aber nicht ernst genommen und kein Beratungsgespräch mit mir geführt. Ich war frustriert und bin nie wieder zu ihm hingegangen. Etwas später eröffnete ein junger Urologe eine neue Praxis in unserem Nachbarort. Zusammen mit meiner Partnerin bin ich dann zu ihm gegangen und wurde dort gründlich untersucht und gut beraten. Organische Ursachen konnte er nicht feststellen. Stattdessen empfahl er mir beruflich kürzer zu treten und weniger zu rauchen. Außerdem gab er uns eine Tablette mit. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten kommen wir damit inzwischen gut klar. Ich hoffe natürlich, dass ich durch die Änderung meines Lebensstils irgendwann die Tablette nicht mehr brauchen werde.
Es ist mir unverständlich, warum Erektionsstörungen immer noch so ein Tabuthema sind. Selbst im Freundeskreis traut sich kaum jemand darüber zu sprechen.
Ich würde mich gerne mit anderen Betroffenen austauschen. Mit meiner Geschichte hoffe ich denen zu helfen, die sich noch nicht trauen, ihre Erektionsstörungen anzugehen. Ich will ihnen Mut machen, damit sie nicht ihre Partnerschaft aufs Spiel setzen. Den Männern rate ich, mit der Partnerin zu sprechen und zu einem Arzt zu gehen – auch wenn es nicht so einfach ist. Aber es besteht ja zum Beispiel bei der Vorsorgeuntersuchung die Möglichkeit, das Thema anzusprechen.



